Wunderwirker

Posted by Verarius
5-03-2026

Wenn ich mir dieser Tage die Nachrichten anschaue, denke ich – wir brauchen einen Hoffnungsschimmer für die Menschheit. Und ich freue mich riesig, einen liefern zu dürfen. Am 27. Februar, um exakt 19:30 Uhr – keine Sekunde später – eröffnete Prof. Dr. Sabine Koller das Gastspiel des Urban Theaters am Theater an der Uni Regensburg. Was folgte, war mehr als nur eine Gastvorstellung. Es war ein lebendiges Zeugnis dessen, was passiert, wenn Menschen sich weigern, den Glauben an die Schönheit ihrer Träume aufzugeben – seit fast dreißig Jahren.

Wunder geschehen

Wunder geschehen! dachte ich mir vor fünf Wochen, als ich erfuhr, dass das Urban Theater – ein Projekt, das mir so sehr am Herzen liegt – finanzielle Unterstützung der Universitätsstiftung Pro Arte und dem Zentrum Erinnerungskultur erhalten hat, um seine Stücke am Theater an der Regensburg zu zeigen.

Wunder geschehen! dachte ich mir vor zwei Wochen, als das Hansa Apart-Hotel Regensburg sich bereit erklärte, das gesamte Ensemble umsonst zu beherbergen.

Wunder geschehen! dachte ich immer wieder, als ich die Stücke auf der Bühne verfolgte – und nicht umhinkam zu bemerken, wie weit alle gekommen sind.

Es ist fast schon zum Gemeinplatz geworden, darüber zu klagen, wie die Integration von Ausländern in Deutschland scheitert. Heute möchte ich Dir ein Gegenbeispiel präsentieren. Und nicht irgendeins – eins, das ein Vierteljahrhundert umspannt.

Vom Funken zum Feuer

Vor mehr als fünfundzwanzig Jahren gründete Sabine Koller eine Theatergruppe an der Universität Regensburg mit einer täuschend einfachen Idee: Kindern mit Migrationshintergrund durch Theater bei der Integration zu helfen – und mit ihrer Begeisterung ein Feuer in ihren Herzen zu entfachen. Unter diesen Kindern war Witalij Schmidt. Spulen wir vor bis heute – Witalij ist nicht mehr der Junge, der seinen Platz in einer Kultur suchte, die Generationen seiner Vorfahren vertraut und ihm doch fremd war. Er ließ diesen Funken auf sich überspringen und trägt diese Flamme weiter, als Mitgründer und treibende Kraft hinter des Urban Theaters in Berlin, gemeinsam mit der künstlerischen Leiterin Natalia Lapina.

Und hier ist, was mir eine Gänsehaut bescherte: Nach der Vorstellung brachte eine Diskussion drei Generationen auf einer Bühne zusammen: Die „Feuerstifterin" vor fünfundzwanzig Jahren, den „Empfänger" dieser Flamme, heute selbst Theatermacher, und die Schauspieler und Regisseure des heutigen Urban Theaters, die Feuer und Flamme in die nächste Welle tragen. Drei Generationen, ein ungebrochener Faden, und das Feuer brennt immer heller.

Vom Spiel ins Leben, vom Leben ins Spiel

Es ist eine Weile her, seit ich Dir zuletzt Neuigkeiten von meinem Herzensprojekt gebracht habe – diesem kleinen, aber mutigen und stolzen freien Kollektiv, das seit drei Jahren sein Existenzrecht einfordert und sich seinen Platz im Scheinwerferlicht erkämpft. Und Integration – echte, greifbare Integration – geschieht vor unseren Augen.

Es geht nicht schnell. Aber es geht stetig. Und man kann es buchstäblich von Stück zu Stück beobachten. Die Deutschkenntnisse der Schauspieler wachsen spürbar mit jeder Produktion. Was auf der Bühne als zaghafter Ausdruck beginnt, sickert in den Alltag ein – und was im Alltag geübt wird, fließt zurück auf die Bühne. Vom Spiel ins Leben, vom Leben ins Spiel und von Spiel zu Spiel. Ein Tugendkreislauf, leise, aber unaufhaltsam.

Das Theater gibt seinen Schauspielern und Künstlern etwas Kostbares: die Möglichkeit, ihrer Berufung treu zu bleiben. Ihren Platz im Licht der Scheinwerfer einzufordern. In einem neuen Land nicht nur zu überleben, sondern zu schaffen. Und durch das Schaffen – dazuzugehören.

Schwere Themen, leichte Hand

Das Urban Theater arbeitet mit schweren, aufgeladenen Themen. Krieg, Vertreibung, Identität, Macht – Stoff, der einen nachts wach halten kann. Und doch, wie viele Zuschauer nach der Vorstellung bemerkten, hat das Ensemble einen Weg gefunden, diese Themen mit solcher Leichtigkeit und Schönheit zu behandeln, dass man das Theater beschwingt verlässt. Nicht belastet – näher, verbundener, menschlicher, mehr beieinander, mehr eins mit allem.

Für mich ist das nicht nur das Kennzeichen, sondern die Daseinsberechtigung wahrer Kunst: Sie drückt Dich nicht nieder mit dem Gewicht der Welt. Sie hebt Dich empor und lässt Dich spüren, dass Du Teil davon bist und dass die Welt voller Schönheit ist (Leo Tolstoi lächelt uns zu, wo auch immer er gerade ist).

Jeder kann etwas tun

Dieser Abend in Regensburg hat etwas bewiesen, auf das ich immer wieder zurückkomme: Niemand kann alles, aber jeder kann etwas. Sabine Koller konnte etwas – und sie tat es, vor mehr als fünfundzwanzig Jahren. Witalij Schmidt konnte etwas – und fand in seinem Leben Raum, diesen Funken in ein Theater zu verwandeln. Natalia Lapina konnte etwas – und entschied sich, nach ihrer Umsiedlung weiter Theater zu machen, mit immensem Energieaufwand. Die Universitätsstiftung Pro Arte und das Zentrum Erinnerungskultur konnten etwas – und machten dieses Gastspiel möglich. Das Hansa Apart-Hotel Regensburg konnte etwas – und öffnete großzügig seine Türen.

Und Du? Du kannst auch etwas tun. Komm und sieh Dir das Urban Theater live an, teile diese Geschichte mit jemandem, der einen Hoffnungsschimmer gebrauchen kann, oder erinnere Dich einfach daran: Wunder müssen nicht groß sein. Sie müssen nur beginnen. Mehr über kommende Vorstellungen und Unterstützungsmöglichkeiten: urban-theater.com

Denn gemeinsam wirken wir Wunder.

Von links nach rechts: Kostya Novitskiy, Ilya Khodyrev, Oleksandr Kryvosheiev, Prof. Dr. Sabine Koller, Dr. Witalij Schmidt

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